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Gründung

Das Nordamerikaprojekt (NAP) ist das erste Projekt von PBI in der sogenannten Ersten Welt. Im April 1991 gegründet, unterstützt es den gewaltfreien Kampf der Ureinwohner Nordamerikas für soziale Gerechtigkeit. Weshalb sollte PBI ein Projekt in den USA und Kanada einrichten, in diesen mächtigen Industriestaaten mit einer demokratischen Verfassung? Die Konflikte in Nordamerika rühren aus der strukturellen Situation: Sowohl die UreinwohnerInnen, als auch die Eingewanderten sehen dieses Land als ihre Heimat an. Gleichzeitig treffen völlig unterschiedliche kulturelle Werte und Lebensweisen aufeinander, deren rücksichtslose Ausübung auf Kosten der Urbevölkerung zu deren Ausgrenzung und Marginalisierung geführt hat. Die gewaltförmige Eskalation dieser Konflikte erschüttert Anfang der 90er Jahre die amerikanische Öffentlichkeit. So als z.B. im Sommer 1990 eine Mohawk-Gemeinde nahe Montreal eine Straßenblockade errichtet, um die Ausweitung eines Golfplatzes auf ihrem Reservat zu verhindern.

Shoshone

Im Oktober 1994 ist PBI mit einem Erkundungs-Team bei den Western Shoshone in der Sierra Nevada (USA). Das Gebiet wird von den Shoshone als ihr Land beansprucht, ist aber seit 50 Jahren ein Nuklear-Testgebiet. Die Shoshone machen die Atomtests für eine vermehrte Anzahl von Leukämie-Erkrankungen und Behinderungen bei Neugeborenen verantwortlich. Für PBI stellt sich die Frage, ob Hilfe in einem Konflikt, in dem es nicht vordergründig um die Ermordung von Menschen geht, sondern um strukturelle Gewalt und deren Überwindung, möglich ist.

Innu

1994 erreicht PBI ein Notruf der INNU NATION, einem Dachverband der Urvölker Neufundlands, die eine gewalttätige Konfrontation mit der kanadischen Bundespolizei auf dem Reservat Davis Inlet befürchten. Vordergründig ist Auslöser die Vertreibung einiger Bundesrichter samt einer Polizeieskorte durch Innu-Frauen. Tatsächlich sind die Innu der Ansicht, das Justizsystem schade ihren Gemeinden mehr, als dass es nütze. Ein Problem ist auch, daß Hydro-Quebec eine Reihe von Staudämmen auf dem Gebiet der Innu errichtet hat. Die Aluminium-Produktion vergiftet zudem die Gewässer. Hiergegen richtet sich der Protest der Innu-Gemeinden von Maliotenam. PBI arbeitet ab Frühjahr 1995 vor Ort und vermittelt bei den schwierigen Verhandlungen zwischen Bundesbehörden und den Innu. PBIs detailliertes Wissen über die involvierten Gruppen trägt zur Verständigung bei. Hier kann das NAP-Team seine Sinnhaftigkeit erstmals unter Beweis stellen.

Algonquins

Es folgen 1996 weitere Aktivitäten auf Anfrage der Algonquins (Volk der Mitchi-kanibikongink) nahe des Rapid Lake, im Quellgebiet der Flüsse Ottawa und Gatineau (Kanada). Hinter den gemeindeinternen Querelen werden Interessen der Holzwirtschaft sichtbar. Bundesbehörden sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, sie wollten traditionelle Gebietsansprüche der Algonquins ausweiten, nur um Landansprüche der Quebéc-Separatisten abzuwehren.

Schliessung des NAP

Im Sommer 1996 wird über die Einrichtung eines ständigen Nordamerikteams nachgedacht. Angesichts der enormen Größe des Gebiet und der beschränkten finanziellen Mittel PBIs wird beschlossen, keine ständige Einsatzgruppe zu bilden. Kurzzeitteams werden zu Einsätzen auf Abruf (ready-response-Einsätzen) geschickt. So arbeitet z.B. ab 1997 ein Team bei den Dineh (traditioneller Name der Navajo) in Nordarizona (USA). Gespräche mit allen am Konflikt beteiligten Gruppen werden geführt und Informationsarbeit geleistet. Schwerpunkt des Projektes sind Strategien der Gewaltprävention durch die Anwesenheit internationaler BeobachterInnen. Mit Abschluss dieses Projektes Ende 1999 wird auch das NAP geschlossen. Die Arbeit wird von us-amerikanischen und europäischen Menschenrechtsorganisationen fortgeführt.

Was sie sagen

"Der bewaffnete Schutz ist dazu da, dich gegen die bewaffneten Kräfte zu schützen. Aber pbi ist dazu da, dich gegen den Befehl, die Waffen zu benutzen zu schützen ... "
Manorani Saravanamuttu, Mutter eines Ermordeten

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